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Viechtach, Bayern
Kolpingsfamile Viechtach e.V, gegr. 1859

Die "Idee" Adolph Kolpings heute

Geschichte Kolpings Leben fällt in eine Zeit tiefgreifenden Wandels, ja des radikalen Umbruchs in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.
Grundlegend und spürbar verändern sich in wenigen Jahrzehnten die Lebensbedingungen der meisten Menschen. Traditionelle gesellschaftliche Ordnungselemente verschwinden. Der einzelne gewinnt damit ein grösseres Maß an individueller Freiheit. Die Befreiung aus traditionellen Abhängigkeiten bedeutet wachsende Spielräume zu eigenverantwortlicher Lebensgestaltung; dem steht aber der zunehmende Verlust sozialer Bindung - im Sinne des Eingebunden- und Getragen-Seins durch entsprechende Strukturen - gegenüber. Die 'neue Zeit' birgt vielfältige neue Chancen und zugleich auch Risiken für den Zeitgenossen. Natürlich waren die verschiedene Bevölkerungsgruppen in unterschiedlichem Maße betroffen; besondere Problemlagen ergaben sich etwa für die im Handwerk tätigen Menschen, also auch und gerade für die (wandernden) Gesellen. Wenn Kolping ihre Situation mit dem Begriff 'Heimatlosigkeit' kennzeichnet, meint er vor allem den mit tiefgreifenden Veränderungen in der Welt der Arbeit einhergehenden Verlust sozialer und weltanschaulicher Bindung und Orientierung,

Hier setzt die Antwort Kolpings auf die Herausforderungen der Zeit an:
Die gesellschaftlichen Verhältnisse hindern nach seiner Auffassung Menschen daran (zumindest behindern sie Menschen dabei) , etwas aus sich etwas zu machen, all ihre Kräfte und Fähigkeiten zu entwickeln und die ihnen erreichbare berufliche und damit auch gesellschaftliche Stellung zu erreichen. Hier spielt der Begriff 'Selbständigkeit' eine wichtige Rolle, und zwar nicht nur im Sinne einer unabhängigen wirtschaftlichen Existenz. Dieser Ansatz ist natürlich geprägt durch das (christliche) Menschenverständnis Kolpings: Danach ist der einzelne aufgerufen und aufgefordert, mit allen Kräften seiner Bestimmung nachzukommen. Der Mensch ist als Geschöpf Gottes sowohl mit einer bestimmten 'Ausstattung' wie mit einer bestimmten 'Aufgabe' in diese Welt gestellt. In der Erfüllung seines Auftrages hat er durch die Ausschöpfung / Nutzung aller seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten seine über dieses irdische Dasein hinausgehende Bestimmung zu verwirklichen und zugleich an der Vollendung dieser Welt mitzuwirken. Damit ist ausdrücklich die Verpflichtung zur Wahrnehmung sozialer Verantwortung eingeschlossen. Gesellschaftliches Leben insgesamt und damit auch alle sozialen Gebilde sind für Kolping auf diese Bestimmung des Menschen hingeordnet bzw. auszurichten. Grundsätzlich ist somit Gesellschaft in allen Aspekten nicht Selbstzweck, sondern auf den Menschen und seine Bestimmung bezogenes ‚Instrumentarium'; konsequent darf gesellschaftliches Leben in all seinen Facetten dann nicht ohne Bezug zu den 'Grundbefindlichkeiten' des Menschen gesehen und gestaltet werden. In der erlebten Wirklichkeit sieht Kolping tiefgreifende Defizite gegenüber diesem Ansatz (Anspruch); er konstatiert in seiner ausgeprägten Zeitkritik u.a. Entwicklungen, die das menschliche (gesellschaftliche) Zusammenleben von derartigen Rücksichten 'befreien' (wollen), wo schrankenloser Egoismus und hemmungslose Ausbeutung von Mensch und Natur um sich greifen und wo der Bezug zu gemeinsamen Grundlagen (Wertvorstellungen) verloren zu gehen droht oder gar schon verlorengegangen ist. Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang daran, daß ja die Zeit Kolpings gerade auch durch das Aufkommen einer neuen (kapitalistischen) Wirtschaftsweise geprägt ist, wo sich die Vollzüge und Beziehungen, Bindungen und Abhängigkeiten in der Arbeitswelt weithin verändern, und dies mit zumindest teilweise dramatischen Folgen für betroffene Menschen. Zugleich ist diese Zeit charakterisiert durch einen zunehmenden weltanschaulichen Konkurrenzkampf, wo dem bislang dominierenden Christentum einflußreiche 'Rivalen' erwachsen durch den Liberalismus und den aufkommenden Sozialismus. Nicht zu vergessen ist schließlich der immer lautere Ruf nach gesellschaftlicher Mitwirkung und Mitverantwortung, nach Demokratie (Partizipation), nach bürgerlichen Rechten, nach Meinungs- und Pressefreiheit, etc., in dessen Konsequenz das politische Geschehen und das gesellschaftliche Leben insgesamt durch neue Interessenlagen und Organisationsformen geprägt und beeinflußt werden. In der Konsequenz ergibt sich für Kolping eine doppelte, eng zusammenhängende Zielsetzung (Aufgabenstellung), nämlich die ganz unmittelbare Hilfestellung für (junge) Menschen in bedrängter Lage und die Veränderung der als unzureichend erkannten gesellschaftlichen Verhältnisse. Vom Wirken Kolpings im Gesellenverein sind - gewissermaßen als stichwortartige Zusammenfassung der Zielsetzung - die sog. 'vier Devisen' überliefert: Es ging um den tüchtigen Christen, den tüchtigen Meister, den tüchtigen Bürger und den tüchtigen Familienvater. Der Begriff 'Tüchtigkeit' gehört zu den Kernbegriffen Kolpings, der aber heute kaum noch in entsprechender Weise verwendet bzw. verstanden wird. Der Christ ist - so Kolping - verpflichtet, seine ihm gegebenen Fähigkeiten und Möglichkeiten in allen Lebensbereichen zu entwickeln und wahrzunehmen. Tüchtig ist er in dem Maße, wie er diese Aufgabe (Verpflichtung) im alltäglichen Leben verwirklicht, d.h. sich um die entsprechende Verwirklichung bemüht. Christ-Sein realisiert sich insofern vor allem in der alltäglichen Lebenswirklichkeit. Umgekehrt gilt: Tüchtigkeit im Leben ist (letztlich) nicht ohne religiöses Fundament möglich; Tüchtigkeit im Beruf, in der Familie und in der Gesellschaft erfordert (eigentlich) eine klare religiöse Grundlage. Zur Linderung der ‚Nöte der Zeit' war darum für Kolping die Anregung und Befähigung des Menschen zum überzeugten und überzeugenden Christ-Sein und damit zur Tüchtigkeit in allen Lebensbereichen zentrales Erfordernis, sowohl für den einzelnen als auch für einen umfassenden sozialen Wandel. Für Kolping stand bei der 'Forderung' nach gesellschaftlicher Veränderung nicht der revolutionäre Umsturz bestehender Verhältnisse oder ein durch politisches Handeln bewirkter Wandel im Vordergrund: Er konnte von seinem Ansatz her nicht am einzelnen 'vorbeigehen' oder gar über ihn 'hinweggehen'. Jeder einzelne Mensch ist in seiner Sicht ganz unmittelbar aufgefordert und berufen, seinen Teil zur Veränderung, d. h. zur Verbesserung der Welt beizutragen. Jeder soll (und muß eigentlich), in seinem Kreis das Beste tun, damit es in der Welt besser werden kann. Niemand kann sich also mit vorgeblicher Ohnmacht oder vermeintlicher Bedeutungslosigkeit vom Mittun an der Gestaltung der Welt ‚distanzieren'. Tüchtigkeit ist hier wiederum der zentrale Begriff und Ansatz Kolpings: Der einzelne soll als Christ im Beruf, in der Familie und in der Gesellschaft tüchtig sein bzw. Tüchtigkeit erwerben, um dann sein Leben entsprechend zu gestalten und damit die gesellschaftliche Realität mit zu prägen und zu verändern. Insofern kann für diese auf ‚Langzeitwirkung' angelegte Zielsetzung Kolpings die zusammenfassende Formel ‚Sozialer Wandel durch Veränderung des Menschen' gebraucht werden. Das ganze Bemühen um Hilfe für Menschen in Not konnte im Übrigen von Kolpings Menschenverständnis her nur als 'Hilfe zur Selbsthilfe' verstanden und konzipiert werden: Bei aller Beeinflussung durch gesellschaftliche Verhältnisse ist und bleibt der einzelne für sein Tun und seine Entwicklung verantwortlich. Die Frage stellt sich natürlich, was denn konkret Tüchtigkeit im Sinne Kolpings ausmacht. Sicherlich wäre es zu einfach, hier lediglich auf Person und Leben Kolpings zu verweisen, auch wenn er selbst ohne Zweifel ein gutes Beispiel darstellt. Andererseits wäre es zu schwierig, nun anhand konkreter 'Fallbeisp iele' alle relevanten Facetten dieses Begriffes abzuhandeln. Insofern kann es nur um den Versuch gehen, einige zentrale 'Stichworte' zu benennen und zu beschreiben, die in ihrer Summe das ausmachen, was Kolping meinte, wenn er vom tüchtigen Meister, Familienvater und Bürger sprach, der durch sein Leben und Wirken als Christ zur vollen Entfaltung der eigenen Person gelangen und zugleich zur Veränderung der Welt beitragen sollte. In diesem Sinne können und sollen fünf wesentliche 'Elemente' angesprochen werden, die untrennbar zusammengehören und die für alle Lebensbereiche gleichermaßen relevant sind. Dabei geht es um sehr grundlegende Eigenschaften / Einstellungen / Fähigkeiten, die menschliches Verhalten / Handeln prägen und bestimmen (sollen).

Fundament
Gemeint ist die klare religiöse (christliche) Grundlage, die Sicherheit hinsichtlich des eigenen Seins und Sollens gibt und die wesentliche Impulse für die eigene Lebensgestaltung und damit für die Wahrnehmung aktiver Weltverantwortung liefert, aus der sich zugleich aber auch Maßstäbe für die Beurteilung der erlebten Wirklichkeit gewinnen lassen. Hier geht es also schlechthin um Ansatzpunkte und Leitlinien für das eigene Leben und Handeln.

Können
Gemeint ist die (im weitesten Sinne verstandene) Beherrschung einer Materie, die fachliche Kompetenz also, die nötig ist, um letztlich in jeder Lebenssituation sachgerecht und erfolgversprechend handeln zu können. Tüchtigkeit im Sinne Kolpings erfordert nicht nur Begeisterung, sonder auch Können! Der Erwerb derartiger Kompetenz erfordert natürlich entsprechende Anstrengungen, aber er gehört - unter dem Aspekt der Ausschöpfung gegebener Möglichkeiten - für Kolping zu den unabweisbaren Pflichten des Menschen.

Offenheit
Gemeint sind hier Fähigkeit und Bereitschaft, sich immer wieder mit Entwicklungen und Wandlungen auseinanderzusetzen, die dem einzelnen in seinem alltäglichen Leben und in größeren gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen begegnen. Dazu gehört z. B. auch - soweit überhaupt möglich - der 'Verzicht' auf Vorurteile; dazu gehört ebenso - und dies in engem Zusammenhang mit dem Begriff 'Können' - die Bereitschaft und Fähigkeit zum dauerhaften, ja lebenslangen Lernen.

Verbindung
Gemeint sind Bereitschaft und Fähigkeit, sich mit anderen zu verbinden, sich auf andere einzulassen. Als Sozialwesen ist der Mensch nun einmal auf das Miteinander angewiesen, und dies sowohl im eigenen Interesse als auch mit Blick auf weitergehende Wirkmöglichkeiten. Letztlich geht es hier um eine Gemeinschaftsfähigkeit, die immer auch Abstriche von einem einseitig verkürzten 'Freiheitsideal' nötig macht. Zentrale Bedeutung haben in diesem Zusammenhang Tugenden wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Treue.

Verantwortung
Gemeint ist die praktische Übernahme von Verantwortung in relevanten Lebensbereichen oder Lebenssituationen, also die Wahrnehmung ganz konkreter Wirkmöglichkeiten, die über die Verfolgung unmittelbarer privater Interessen hinausreichen. Eben weil das Gemeinschaftsleben - in welchen Bereichen auch immer - auf dem Zusammenwirken und auf der aktiven Mitwirkung vieler beruht, gehört das entsprechende Engagement zu den Wesenselementen der Tüchtigkeit. In dem Bemühen, Menschen anzuregen und zu befähigen, ihr Leben als Christen zu gestalten und Tüchtigkeit in den verschiedenen Lebensbereichen zu erlangen, war der Gesellenverein nicht mehr und nicht weniger als ein brauchbares 'Instrument' zur praktischen Bewältigung anstehender Aufgaben. Im konkreten historischen Kontext bot sich dieser Typus einer freien gesellschaftlichen Vereinigung als Mittel an, die gestellte Aufgabe anzugehen. Zugleich kam die Vereinsidee Kolpings tiefer Überzeugung von der Bedeutung familienhafter Gemeinschaft für Mensch und Gesellschaft entgegen. Der Verein war als Zusammenschluß von Menschen gedacht und konzipiert, die willens und fähig waren, sich auf einen gemeinsamen Weg einzulassen, um in gemeinschaftlicher Verbundenheit und Verantwortung an sich selbst und für andere zu arbeiten. Er bot die entscheidende Voraussetzung, um Menschen - gerade solchen in bedrängter Lebenssituation - überhaupt eine (gemeinsame) 'Startposition' zu bieten, von der aus der Weg zur persönlichen Tüchtigkeit anzutreten war, der in Konsequenz zur christlichen Erneuerung der Welt führen sollte. Die Auswahl einer bestimmten Zielgruppe für den Katholischen Gesellenverein ergab sich für Kolping aus dem Zwang zur Konzentration der Kräfte, aus aktuellen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und nicht zuletzt aus der eigenen Biographie. Keineswegs sah Kolping allein hier Sorgen und Nöte von Menschen und damit entsprechenden Handlungsbedarf. Aber er ging von der Notwendigkeit aus, die eigenen Bemühungen auf einen bestimmte konkrete - auch gesellschaftlich klar 'definierte' - Zielgruppe zu beschränken, um überhaupt etwas erreichen zu können. Hinzu kommt, daß die Gesellen ja durchaus gute Chancen zum gesellschaftlichen Aufstieg besaßen und dadurch ein besonders wichtiges und interessantes 'Potential' im Blick auf den angestrebten sozialen Wandel darstellten.

Teil 2 - Gegenwart

Das Kolpingwerk existiert heute weltweit als moderner katholischer Sozialverband. In seinen programmatischen Grundlagen wie ja auch im praktischen Handeln bekennt sich der Verband ausdrücklich zu den grundlegenden Ideen und Zielen Adolph Kolpings, die praktische Arbeit aber vollzieht sich in - ganz allgemein gesagt - einer Art und Weise, die mit dem ursprünglichen Katholischen Gesellenverein Kolpings wenig zu tun hat, zumindest vordergründig. Das "Überleben" des Kolpingwerkes in einer über 150jährigen Geschichte ist, zugespitzt formuliert, nicht aufgrund starrer "Anhänglichkeit" an hergebrachte Formen gelungen, sondern wegen einer recht verstandenen Anpassung an vielfältigen Wandel in allen Bereichen unseres Lebens. Das schon zitierte Wort "Die Nöte der Zeit werden euch lehren, was zu tun ist" macht auch deutlich, daß Kolping sich in der praktischen Ausrichtung eben dieser Arbeit an den aktuellen Fragen und Herausforderungen der Zeit orientiert und damit den mehr grundsätzlichen oder programmatischen Ansatz in eine sehr konkrete Wirklichkeit stellt. Dies bedeutet zugleich den Impuls (von Kolping selbst verschiedentlich auch betont und gefordert), eben das praktische Wirken immer wieder auch unter den aktuellen Gegebenheiten und Notwendigkeiten zu überprüfen und gegebenenfalls auch zu verändern. Eine wichtige Fragestellung - gerade auch von "außen" an den Verband gestellt - geht dahin, ob und inwieweit das Kolpingwerk heute überhaupt noch mit Fug und Recht sich als den Ideen und Zielen Adolph Kolpings verpflichtet "ausgeben" darf oder ob nicht bei dem tatsächlich eingetretenen Wandel im Verband selbst dieser ausdrückliche Bezug zu Kolping wirklich nur ein "nostalgischer Etikettenschwindel" ist, also ein formales Bekenntnis, hinter dem keine Substanz steckt. Diese Fragestellung ist nicht ohne Brisanz, denn es geht ja letztlich darum, ob und inwieweit eine "Idee" in ihrer praktischen Realisierung wandlungsfähig ist oder sein kann, ob und inwieweit - anders formuliert - eine "Botschaft" in je konkreter Situation zeitnah und zeitgemäß "vermittelbar" ist, ohne verändert oder sogar verfälscht zu werden. Diese Frage stellt sich im übrigen sicherlich nicht nur für das Kolpingwerk! Wir dürfen unterstellen, daß der Zeitgenosse Kolpings mit einem Begriff wie "tüchtiger Meister" etwas anfangen konnte; wir dürfen aber fragen, ob der heutige Zeitgenosse solche Begrifflichkeiten in gleicher Weise versteht oder ob er nicht einer anderen "Beschreibung" des Gemeinten bedarf, resp. zumindest einer Kommentierung. Die tiefreichende Bedeutung des Begriffes "Tüchtigkeit" bei Kolping könnte heute vielleicht mit Begriffen wie "Kompetenz", "Engagement", "Verantwortung", "Zielstrebigkeit", etc. angegangen oder umrissen werden, in jedem Falle geht es darum, den Gedanken Kolpings so auszudrücken, daß er in richtiger Weise "ankommt", d. h. verstanden wird oder verstanden werden kann. Eben dies ist zunächst gemeint, wenn es um Zeitnähe und Zeitgemäßheit des Kolpingwerkes heute geht; hier wird kein "neuer" Kolping kreiert, sondern wird eine "alte" Idee in "neuer" Weise zum Ausdruck gebracht. Zeitnähe und Zeitgemäßheit ist diesem Sinne sind etwas anderes als die heute so oft beschworene - und zwar negativ verstandene - Anpassung oder gar Auslieferung an den Zeitgeist, womit in der Regel einem modischen Geschmack oder modischen Befindlichkeit entsprechende Veränderung - im Sinne von Reduktion oder Verfälschung - der "Botschaft" selbst gemeint ist. Eine solche Unterscheidung fällt freilich nicht leicht: so gefährlich es ist, jede Veränderung und sei es auch nur im Äußerlichen unter dem Zeitgeist-Syndrom zu verteufeln, so problematisch kann es auch sein, wenn der Versuch unternommen wird, tatsächlich substanzielle Veränderungen unter dem Deckmantel bloßer Zeitgemäßheit zu verkaufen und damit zu verschleiern. Zweifellos bewegen wir uns hier in einer ständigen Gradwanderung, wo Entscheidungen nur nach bestem subjektivem Wissen und Gewissen getroffen werden können. Unsere Zeit ist in vielfacher Weise anders als die Kolpings. Und dennoch messen wir seiner 'Idee' eine zitlose Gültigkeit oder Aktualität zu, offenkundig bestätigt durch die gerade in den letzten Jahrzehnten erfolgte erfolgreiche weltweite Ausbreitung unseres Werkes. Was aber ist nun (und warum) an Idee und Wirken Kolpings von zeitloser Aktualität? Thesenhaft dazu folgende Hinweise:

Bestimmung des Menschen (christliches Menschenbild)
Zweifellos ist und bleibt es aktuell, Menschen (Christen) immer wieder auf ihre Bestimmung (im Sinne auch und gerade einer konkreten Herausforderung bzw. Aufgabe für die individuelle Lebensgestaltung) hinzuweisen. Vielleicht (wahrscheinlich sogar) ist dies heute nötiger als zu Kolpings Zeiten, wo doch ein zunehmender 'Verzicht' auf weltanschauliche Orientierung und Bindung festgestellt werden kann.

Hilfe für Menschen in bedrängter Lage (Hilfe zur Selbsthilfe)
Konkrete gesellschaftliche (im weitesten Sinne verstanden) Gegebenheiten und Problemlagen sind in der Welt von heute außerordentlich vielschichtig und unterschiedlich. Sicher aber gibt es kein einziges Beispiel dafür, daß es irgendwo auf der Welt absolut 'problemlos' zuginge. Überall gibt es Menschen in Not; überall bedürfen Menschen der Hilfe und Zuwendung, der Solidarität und der Gerechtigkeit. Der Begriff 'Not' darf dabei nur nicht auf eine materielle Dimension reduziert werden. Auch Kolping selbst hat sehr wohl Dimensionen von sozialer und geistiger Not erkannt und in seiner Arbeit berücksichtigt, immer aber unter dem Aspekt der Hilfe zur Selbsthilfe.

Bedeutung von Gemeinschaft (Heimat)
Als zugleich Individuum und Sozialwesen ist und bleibt der Mensch auf die (gemeinschaftliche) Verbundenheit mit anderen angewiesen, ob er dies nun wahrhaben will oder nicht. Nach wie vor auch bedeutet das gemeinsame Tun zur Erreichung bestimmter Zwecke einen entscheidenden Vorteil gegenüber einem bloß individuellen Bemühen. Insofern bleibt auch das Konzept der Gemeinschaftsbildung aktuell, ist es vielleicht sogar noch aktueller geworden angesichts mannigfaltiger Entwicklungen in Richtung auf immer stärkere Individualisierung und Vereinzelung des Menschen.

Notwendigkeit zur Weltgestaltung (Weltverantwortung des Christen)
Mit seinen Gedanken zur aktiven und unmittelbaren Weltverantwortung des Christen scheint Kolping geradezu von prophetischer Weitsicht, nachdem doch weithin eher eine eng verstandenes Bemühen um 'Rettung' der eigenen Seele im Vordergrund stand. Themen und Probleme wie Globalisierung, internationale Gerechtigkeit und Solidarität, Bewahrung der Schöpfung waren zu seiner Zeit (noch) nicht aktuell. Um so aktueller sind heute diese Gedanken!

Christliches Gesellschaftsverständnis (Katholische Soziallehre)
Kolping hat mit seinem Wirken Grundelemente der erst viel später ausformulierten katholischen Soziallehre praktisch geprägt und gewissermaßen vorweggenommen. Im Kern geht es hier um die Überzeugung von bestimmten zentralen 'Wahrheiten' (vor allem die Prinzipien Personalität, Solidarität und Subsidiarität), die das Zusammenleben des Menschen in Gesellschaft bestimmen müssen (sollen), wenn gesellschaftliches Leben der Würde und Bestimmung des Menschen entsprechen soll. Wer könnte bestreiten, daß dieser Aspekt wiederum heute von eher noch größerer Bedeutung ist!?

Unsere Wirklichkeit ist, wie gesagt, in vieler Hinsicht anders als die Kolpings. Die Aktualität Kolping liegt nicht im 'Detail', sondern im grundsätzlichen Anliegen und Ansatz. Sicherlich sind wir uns z. B. heute deutlicher der prägenden Kraft der Verhältnisse für Einstellungen und Verhaltensweisen der Menschen bewußt. Wir werden also die Bedeutung des gesellschaftlichen Strukturwandels (Zuständereform) vermutlich höher einschätzen (müssen), als Kolping dies getan hat, wobei noch hinzukommt, daß dem einzelnen heute ja ganz andere Möglichkeiten zur aktiven Teilhabe am politischen und sozialen Geschehen gegeben sind als zu früheren Zeiten. Dies ändert aber nichts daran, daß der Gesinnungsreform im Sinne Kolpings nach wie vor der Vorrang eingeräumt werden kann oder sollte; historische Erfahrungen dürften hinreichend belegen, daß der bloße äußere Strukturwandel keineswegs in der Lage ist, einen 'neuen' Menschen hervorzubringen. Die Frage nach der Aktualität des Kolpingschen Wirkens ist nicht bloß abstrakte Spielerei. Für einen Verband, der sich nach der Person seines Gründers nennt, der sich immer wieder auf diese Person beruft und sie als vorbildhaft bezeichnet, dürfte es von elementarer Bedeutung sein, über diese Frage Rechenschaft abzulegen. Andernfalls könnte das Bekenntnis zu 'Vater Kolping' in die Gefahr geraten, zur leeren Tradition zu werden.

Zweifellos sind manche Aspekte heutiger gesellschaftlicher Verhältnisse, gerade in den westlichen Industrieländern, nicht eben förderlich für einen spezifischen Typ von Verbandsarbeit, wie ihn unser Wirken darstellt. Auf der anderen Seite liegen aber auch hier wichtige Chancen und Herausforderungen für eine solche Arbeit, die mit den Begriffen Gemeinschaft, Orientierung, Lebenshilfe und Engagement angedeutet werden können. Der zeitgenössische Mensch sucht und braucht Gemeinschaft, den Kreis Gleichgesinnter, wo er sich wohl fühlen kann, wo er sich angenommen und geborgen weiß. Er braucht und sucht Orientierung im Sinne von Antworten auf die Sinnfragen des Lebens, also im Blick auf Standortfindung und Perspektive, Handlungsimpulsen und -leitlinien. Er braucht und sucht schließlich Lebenshilfe im Sinne des Sich-Zurechtfinden- Könnens in einer immer komplizierter, unüberschaubar werdenden Welt. Unsere Zeit (Gesellschaft) braucht schließlich, um lebens - resp. überlebensfähig zu sein (zu bleiben), das Engagement (Mittun) vieler Einzelner, und dies getreu der Devise Kolpings, wonach die Welt nur besser werden kann, wenn jeder an seinem Platz das Beste tut. Wenn es gelingt, diese elementaren Bedürfnisse nicht nur bewußt zu machen, sondern in zeitgemäßer Art und Weise praktisch anzugehen, hier tatsächlich einen Dienst am Menschen zu leisten, wäre keine Sorge um den Fortbestand unserer Arbeit notwendig.

Für die Zukunftsgestaltung kolpingspezifischer Arbeit gibt es keine Patentrezepte, schon gar nicht auf überörtlicher oder gar internationaler Ebene. Aber einige Hinweise sind möglich, worauf wir in der Verantwortung in und für solche Arbeit besonderes Augenmerk zu lenken haben. Wesentliche Hinweise verbinden sich mit dem Begriff Weggemeinschaft. Einige Stichworte zu diesem schillernden Begriff: Gemeinsam unterwegs sein, sich auf einem Weg verbunden wissen (Gemeinschaft), eine klare Zielperspektive vor Augen haben (Richtung), überzeugt sein von der Richtigkeit und Wichtigkeit des gemeinsamen Weges und des Zieles (Fundament), in Bewegung sein und nicht stehenbleiben, auf Wegmarkierungen, Hinweise und Zeichen achten (Realitäten des Umfeldes, z.B. Nöte der Zeit), offen und einladend sein für Menschen, die sich dazugesellen wollen und können (Offenheit), Abweichungen vom richtigen Weg ertragen und auffangen können (Einheit und Vielfalt), Verbindungen halten und nach den Langsameren schauen, Hilfestellung leisten zum Mitkommen (Solidarität), die eigenen Kräfte ausschöpfen und richtig nutzen (Subsidiarität), sich nicht verstecken, sondern Flagge zeigen (Selbstdarstellung), Hindernisse überwinden oder klug umgehen (Mut und Intelligenz), nicht verzagen, wenn auch das Ziel aus dem Blickfeld gerät und keine Wegweiser gefunden werden (Selbstverantwortung und Selbstbewußtsein), nicht auf andere warten, die vorangehen sollen (Verantwortung), Hinzukommende mit den Zielen und Rahmenbedingungen des Weges vertraut machen (Schulung), nicht ängstlich sein bei breiterem Ausschwärmen von einzelnen (Toleranz), gegebenenfalls auch unkonventionelle Pfade suchen und beschreiten, etc.

Weggemeinschaft im Glauben und Handeln, in Bildung und Aktion - dieser Gedanke enthält zuerst und vor allem eine dynamische Perspektive: Handeln ist gefragt, Aktion, Wirken, nicht bloßes Schauen und Betrachten, nicht nur Debattieren oder gar nur Klagen. Gerade das hat ja das Werk Adolph Kolpings zu allen Zeiten ausgezeichnet, dieses mutige und tatkräftige Zupacken, die praktische Solidarität mit Menschen in Not, d ie Ernstnahme der Fragen und Nöte der Zeit. Aber mit dem Handeln allein ist es nicht getan, es geht nicht um bloßen Aktionismus, sondern um bewußtes, reflektiertes Handeln. Einheit von Theorie und Praxis ist ein Stichwort, Idee und Tat ein anderes. Was hier gemeint ist, ist ein Doppeltes: Zum einen das klare eigene Fundament, konkret unser christlicher Glaube, der Maßstäbe und Handlungsimpulse liefert, zum anderen die nüchterne und kritische Auseinandersetzung mit der erlebten Wirklichkeit, von wo aus dann - unter dem Aspekt des weltanschaulichen Fundamentes her - konkrete Aufgaben formuliert werden.

Zu den immer wieder genannten Grundhaltungen Kolpings gehören auch Traditionsbewußtsein und Fortschrittswille. Genau in diesem nicht alternativ oder gar konkurrierend, sondern sich ergänzend verstandenen Begriffspaar liegt der Schlüssel zum 'Erfolg', liegt die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Ansatz oder Weg, wenn es darum geht, Bewährtes aus der Vergangenheit in der Gegenwart lebendig zu erhalten, damit auch in Zukunft erfolgreiches Wirken möglich bleibt. Allerdings: Ob mit den vor Jahren beschlossenen Satzungsänderungen oder mit dem künftigen neuen Leitbild wirkliche Verbesserungen eintreten, wird erst die Zukunft zeigen müssen. Sicherlich kann etwas Neues nicht schon vorab seine 'Qualität' beweisen, es muß sich bewähren und bewähren können; sicherlich gilt auch, daß neue 'Instrumentarien' nicht von sich aus wirksam werden. Tatsächlich hängt ihre Wirksamkeit vom Handeln der beteiligten Personen ab; nur wenn alle, die in entsprechender Verantwortung stehen, auch tatkräftig zupacken, um neuen programmatischen Grundlagen oder strukturellen Vorgaben der Verbandsarbeit gewissermaßen Leben einzuhauchen, wird sich etwas bewegen und verändern lassen, und zwar in die richtige Richtung.

Kleine Zitatsammlung von Adolph Kolping:


 
  • Schön reden tut´s nicht, die Tat ziert den Mann!
  • Wozu jeder seinen Teil beiträgt, dazu will auch jeder wenigstens sein Wort oder seine Meinung beifügen können.
  • Wo Liebe ist, da muß sie sich auch in der Tat und Wahrheit in allen Verhältnissen des Lebens wirksam zeigen und nicht in dem einen oder andern allein. Die Liebe erstreckt sich notwendig auf den ganzen Menschen, nicht bloß auf sein ewiges Heil, auch auf sein irdisches Wohl.
  • Das ist auch eine Wirkung gemeinsamer guter Werke im Christentum, daß sie die Teilnehmer an denselben, mögen sie sich bisher auch noch so fern gestanden haben, in dem selben Augenblicke näher untereinander verbindet und befreundet, in dem sie diesem gemeinsamen Werke ihre besonderen Kräfte widmen.
  • Üben wir`s Christentum rechtschaffen untereinander, tun wir Gutes einander, helfe einer dem anderen zum Guten, hüte einer den anderen vor dem Bösen, dann wird`s schon besser werden in der Welt.
  • Es ist keine Zeit zu feiern, zuzuschauen, gewähren zu lassen, bloß zu jammern, zu klagen, sondern es ist Zeit zu handeln, Zeit zu wirken, und zwar für jeden ohne Unterschied, wie es ihm nach Maßgabe seiner Kräfte und Mittel nur möglich ist.
  • Wer nämlich dem Menschen die Wahrheit stiehlt oder ihn darum betrügt, der zerrüttet oder zerstört damit das geistige Fundament in seiner Seele, nimmt ihm den einzig rechten Maßstab seiner Beurteilung in allem, was Recht oder Unrecht ist, und beraubt ihn also des ersten und notwendigsten Erfordernisses einer gerechten, wahrhaft ehrlichen Handlungsweise.
  • Niemand sollte aber auch dazu beitragen, eine Versuchung für den Nächsten herbeizuführen.
  • Die Wahrheit ist von Natur aus ungeniert, fast grob und deshalb nicht überall gern gesehen. Zwar haben die reichen Leute gern, daß man den Armen die Wahrheit sagt, die Armen haben ihre Freude daran, daß man sie den Reichen sagt, die Stadtbürger schmunzeln vergnügt, wenn man die Bauern abkanzelt, und die Bauern ärgern sich gar nicht, wenn man über die Stadtbürger loszieht; aber den meisten Menschen kommt sie ungelegen, wenn man sie ihnen selber sagt.
  • Gelten, herrschen und dominieren wollen um jeden Preis, und mit allen Mitteln, ist eines der verbreitetsten sozialen Laster, welches ein ganzes Gefolge anderer Leidenschaften hinter sich herzieht.
  • Wer meint, man könne das praktische Leben unter ein gewöhnliches Rechenexempel bringen, der versteht vom wirklichen Leben selbst nichts, stößt überall auf unvorhergesehene Hindernisse, sieht sein bestes Meinen jeden Augenblick durchkreuzt und richtet, satt Segen zu verbreiten, nur Unglück und Verwirrung an, wenn er versucht, mit Gewalt seine einstige Theorie dem praktischen Leben anzupassen. Hier liegt auch der Grund, warum manche sonst gutgemeinte Maßregeln fürs Volk in ihrer Ausführung scheitern.
 
Wir laden ein und machen Mut zur Gemeinschaft.
Wir handeln im Auftrag Jesu Christi.
Wir nehmen uns Adolph Kolping zum Vorbild.
Wir sind in der Kirche zu Hause.
Wir sind eine generationenübergreifende familienhafte Gemeinschaft.
Wir prägen als katholischer Sozialverband die Gesellschaft mit.
Wir begleiten Menschen in ihrer persönlichen und beruflichen Bildung.
Wir eröffnen Perspektiven für junge Menschen.
Wir verstehen uns als Anwalt für Familie.
Wir vertreten ein christliches Arbeitsverständnis.
Wir spannen ein weltweites Netz der Partnerschaft.
Wir leben verantwortlich und handeln solidarisch.
Leitbild des Kolpingwerkes Deutschland
vom 28.03.2000

„In der Gegenwart muss unser Wirken die Zukunft im Auge behalten.“
( Adolph Kolping )
WEGWEISER

EINFÜHRUNG
In der Gegenwart die Zukunft im Blick


UNSER SELBSTVERSTÄNDNIS
KOLPING – verbindende Gemeinschaft


UNSERE GRUNDLAGEN
Verwurzelt in Gott und mitten im Leben
Adolph Kolping - ein Mensch, der begeistert
Das christliche Menschen- und Weltbild


UNSER WEG
Weggemeinschaft der Generationen
Lernen und Bildung als Aufgabe
Mitmachen schafft Einfluss
In der Kirche zu Hause


UNSER HANDELN
Wir eröffnen Perspektiven für junge Menschen
Wir gestalten Arbeitswelt mit
Wir sind Anwalt für Familie
Wir bauen an der Einen Welt






EINFÜHRUNG

Worte verpflichten uns zu Taten


In der Gegenwart die Zukunft im Blick
Unser Leitbild zeigt auf, dass wir die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft selbstbewusst annehmen wollen.
Für alle Mitglieder, Leitungskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für alle Gliederungen des Verbandes ist das Leitbild verbindliche Grundlage und Orientierung für ihr Handeln.
Kolpingsfamilien gewinnen ihr eigenes Profil durch bewusste Schwerpunktsetzung in den Handlungsfeldern, die in diesem Leitbild beschrieben sind.
Für alle Einrichtungen des Verbandes und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das Leitbild der Orientierungsrahmen in der Erfüllung ihrer Aufgaben.
Unser Leitbild ist die Basis, auf der weiterführende Aussagen und Handlungsvorgaben entwickelt werden können.
Dieses Leitbild hat die Bundesversammlung des Kolpingwerkes Deutschland am 28. Mai 2000 in Dresden beschlossen.
Es markiert den Aufbruch des Kolpingwerkes ins 21. Jahrhundert. Basis ist das Programm des Internationalen Kolpingwerkes.

UNSER SELBSTVERSTÄNDNIS

Eine Idee zieht Kreise


KOLPING – verbindende Gemeinschaft
Wir sind ein Verband von engagierten Christen, offen für alle Menschen, die auf der Grundlage des Evangeliums und der katholischen Soziallehre / christlichen Gesellschaftslehre Verantwortung übernehmen wollen.
Bei uns geben und erfahren Menschen Orientierung und Lebenshilfe. Im Sinne Adolph Kolpings wollen wir Bewusstsein für verantwortliches Leben und solidarisches Handeln fördern.
Dabei verstehen wir uns als Weg-, Glaubens-, Bildungs- und Aktionsgemeinschaft.
Als demokratisch verfasster katholischer Sozialverband nehmen wir aktiv gesellschaftliche und politische Mitwirkungsmöglichkeiten wahr.
Schwerpunkte unseres Handelns sind: Die Arbeit mit und für junge Menschen, unser Engagement in der Arbeitswelt, mit und für die Familie und für die Eine Welt
Der Verband lebt vom ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder, das in der Freizeit erbracht wird. Ein wichtiger Beitrag zu unserem Erfolg ist das gute Zusammenwirken von ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die verbandlichen Ebenen und Einrichtungen sind unter der Kurzbezeichnung KOLPING bekannt. KOLPING ist Ausdruck der gemeinsamen Idee und des gemeinsamen Handelns und Auftretens in der Öffentlichkeit.


UNSERE GRUNDLAGEN

Christ sein mit Kopf, Herz und Hand


Verwurzelt in Gott und mitten im Leben
Wir bekennen uns zu Jesus Christus und seiner Frohen Botschaft.
Aus dem Glauben an den einen Gott in der Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist beziehen wir Auftrag und Motivation. Daraus entwickeln wir die Grundhaltungen für unser persönliches Leben und unser gemeinschaftliches Wirken.
Im vielfältigen Engagement für eine bessere Welt bringen wir unsere verschiedenen Begabungen zur Entfaltung. Darin erkennen wir das Wirken des Heiligen Geistes.
Jesus Christus hat sich für Arme und Schwache eingesetzt. Er ruft uns auf, Unrecht in Gesellschaft und Kirche beim Namen zu nennen und dagegen anzugehen.
In der Nachfolge Jesu Christi verstehen wir Glauben als einen Prozess, in dem wir zugleich Bekennende und Suchende sind. So erreichen wir auch Menschen, die der Kirche fern stehen.




Aktuell wie eh und je


Adolph Kolping - ein Mensch, der begeistert

Adolph Kolping lebte aus einem tiefen Gottvertrauen. Er war begeistert von Jesus Christus und liebte seine Kirche mit ihren Licht- und Schattenseiten.
Er resignierte nicht angesichts der sozialen Missstände seiner Zeit.
Er machte anderen Menschen Mut, sich selbst und damit die Zustände zu verbessern.
Mit der lebendigen Einheit von Glaube und sozialer Verantwortung gab er seinem Werk die geistige Ausrichtung. In seinem Handeln war er Seelsorger und Sozialreformer zugleich.

In der Sprache des Volkes brachte er christliche Überzeugungen und Wertvorstellungen öffentlich zur Geltung.
Er vermittelte Freude am Beten, Lernen und Arbeiten und konnte so Menschen gewinnen.
Adolph Kolping gab ein Zeugnis des Glaubens in seiner Zeit. Als Seliger der Kirche begleitet er auch heute sein Werk und ist uns Vorbild.




Der Mensch im Mittelpunkt


Das christliche Menschen- und Weltbild

Die Prinzipien Personalität, Subsidiarität und Solidarität der katholischen Soziallehre geben Orientierung für eine soziale Ordnung, die dem christlichen Menschenbild entspricht.
Der Mensch ist Mitte und Ziel allen Handelns (Personalität).
Die Gemeinschaft hilft bei der Erfüllung der Aufgaben, die die Kräfte des Einzelnen übersteigen (Subsidiarität).
Bei allem Handeln sind die Bedürfnisse der schwächsten Glieder der Gesellschaft zu berücksichtigen (Solidarität).
Diese Prinzipien, ergänzt durch die Prinzipien des Gemeinwohls und der Nachhaltigkeit, sind die Säulen der christlichen Gesellschaftslehre, in der wir die Grundlage für die Ordnung der Gesellschaft, des Staates und des Zusammenlebens der Völker sehen.
Der Nutzen für die gesamte Gesellschaft hat bei Entscheidungen Vorrang vor der Befriedigung von Einzelinteressen (Gemeinwohl).
Die Verantwortung für die kommenden Generationen erfordert einen gewissenhaften Umgang mit den Lebensgrundlagen dieser Welt (Nachhaltigkeit).
Bei unserer aktiven Mitwirkung und Mitverantwortung an der Gestaltung einer menschenwürdigen Welt lassen wir uns von diesen Prinzipien leiten.



UNSER WEG

Ein Netz, das trägt


Weggemeinschaft der Generationen
Das Kolpingwerk wird als Weggemeinschaft vor allem im Leben der Kolpingsfamilie erfahrbar. Sie lebt vom partnerschaftlichen Miteinander der Generationen.
Wir machen Menschen Mut, sich auf unsere Gemeinschaft einzulassen, um gemeinsames Handeln als eine Bereicherung für ihr Leben zu erfahren. Die Bedürfnisse der einzelnen Mitglieder nehmen wir ernst.
Die Kolpingsfamilie versteht sich als familienhafte Gemeinschaft. Dies zeigt sich durch gegenseitiges Vertrauen, durch Dialogbereitschaft und Konfliktfähigkeit beim Entwickeln gemeinsamer Standpunkte. Sie ist eine Solidargemeinschaft, die auch in schwierigen Zeiten zusammenhält.
Durch die generationenübergreifende Arbeit ergibt sich die besondere Chance, dass Jugendliche und Erwachsene sich gegenseitig als Partner für ihre Arbeit gewinnen. Partnerschaftliche Zusammenarbeit bewirkt eine stetige Weiterentwicklung für unsere Gemeinschaft.
ie Kolpingjugend ist eigenständig und handelt eigenverantwortlich. Sie trägt Mitverantwortung für die generationenübergreifende Arbeit der Kolpingsfamilien und des Kolpingwerkes.

Die Zeichen der Zeit erkennen

Lernen und Bildung als Aufgabe
Persönliche und berufliche Bildung und ständiges Lernen sind Voraussetzung für eine eigenverantwortliche und dem Gemeinwohl verpflichtete Lebensgestaltung. Lernen und Bildung sind ein wesentliches Merkmal unseres verbandlichen Wirkens und Handelns.
Wissen und soziale Kompetenz sind für KOLPING Bestandteile ganzheitlicher Bildung. Deshalb fördern und unterstützen wir den Einzelnen mit seinen Fähigkeiten und Begabungen. Wir wollen, dass jeder Mensch seine Chance erhält.
Lernen und Bildung vermitteln wichtige Erfahrungen und erweitern den eigenen geistigen Horizont. Sie sollen Freude bereiten und Neugier wecken.
KOLPING erreicht mit seinem vielfältigen Angebot Menschen weit über den Kreis der Mitglieder hinaus. Als freie Träger von Bildungsarbeit übernehmen und erfüllen wir gesamtgesellschaftliche Aufgaben.
Unsere Bildungswerke sind mit Angeboten der persönlichen und beruflichen Bildung für Jugendliche und Erwachsene tätig. Wir bieten allen entsprechend ihren Fähigkeiten eine Vielfalt von Qualifizierungsmaßnahmen an, sowohl für ihre persönliche Entfaltung als auch für ihr berufliches Weiterkommen. Wir helfen benachteiligten Menschen in Maßnahmen zur beruflichen Bildung.
Als generationenübergreifende Gemeinschaft ist uns die Familienbildung ein besonderes Anliegen. Unsere Bildungswerke unterstützen und fördern diese Arbeit.


Handeln, nicht behandelt werden


Mitmachen schafft Einfluss
Die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Fragen fordern unser gesellschaftspolitisches Engagement. Diese Herausforderung nehmen wir als katholischer Sozialverband wahr.
Wir fördern soziales Bewusstsein und Handeln. Dazu entwickeln wir Konzepte und packen tatkräftig an. Der Dienst für andere schließt Lebensbegleitung und Anwaltschaft für Benachteiligte und Hilfesuchende ein.
Politisches Engagement in demokratischen Parteien und Parlamenten ist für uns ein unverzichtbarer Beitrag zur verantwortungsbewussten Mitgestaltung der Gesellschaft. Wir unterstützen und fördern dieses Engagement.
Eigenständig und in Zusammenarbeit mit anderen Verbänden und Organisationen nehmen wir Einfluss auf gesellschafts- und kirchenpolitische Entscheidungen.
Als Verband mit berufs- und sozialpolitischer Zwecksetzung wirken wir gemeinsam mit anderen katholischen und evangelischen Sozialverbänden in der sozialen und wirtschaftlichen Selbstverwaltung mit.
Wir unterstützen die Mitarbeit von Mitgliedern unseres Verbandes in allen Bereichen der Mitbestimmung in der Arbeitswelt und in den Gewerkschaften.
Das Engagement als ehrenamtliche Richter ist ein weiterer Baustein gesellschaftlicher Mitwirkung.



Die Welt ins Gebet nehmen


In der Kirche zu Hause
Quelle unseres Engagements ist das geistlich-religiöse Leben. Es geschieht durch die persönliche Begegnung mit Jesus Christus und findet seinen Ausdruck im Gebet und in der tätigen Liebe, im Hören des Wortes Gottes und in der Feier der Sakramente.
Diese christliche Grundhaltung prägt unsere Arbeit. Sie hilft uns in der Auseinandersetzung mit den Fragen und Herausforderungen, die sich uns stellen. Sie wird konkret in der Wahrnehmung und verantwortungsvollen Zuwendung zum Menschen neben uns; sie grenzt Menschen nicht aus, sondern lädt sie ein.
Kolpingsfamilien verstehen sich als Glaubensort und bieten suchenden und fragenden Menschen religiöse Heimat. In unser persönliches und gemeinsames Beten nehmen wir die Alltagssorgen und Alltagsfreude der Menschen auf.
Das Evangelium Jesu Christi und der Glaube der Kirche sind Grundlagen unserer Arbeit. Dabei sind für uns die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils und der Gemeinsamen Synoden von Dresden und Würzburg wegweisend.
Gemäß der Würde und Verantwortung der Laien in der Kirche wirken wir eigenverantwortlich und kritisch-konstruktiv an der Gestaltung und Erneuerung der Kirche mit.
Wir sind Teil der katholischen Kirche. Christen aller Konfessionen sind zur Mitarbeit bei uns eingeladen. Wir unterstützen und fördern alle Bemühungen zur Wiedererlangung der vollen kirchlichen Einheit in versöhnter Verschiedenheit.
Der Glaube an den einen Gott verpflichtet uns zum Dialog mit allen Menschen guten Willens.


UNSER HANDELN

Allen ihre Chance geben


Wir eröffnen Perspektiven für junge Menschen

KOLPING gibt jungen Menschen Orientierung und unterstützt sie bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit und Zukunftsplanung. Damit tragen wir zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft bei.
KOLPING hält Wertevermittlung, erlebte und erlernte Solidarität und das Ernstnehmen der eigenen Persönlichkeit für die entscheidende Voraussetzung von sozialer Kompetenz. Durch unsere verbandliche Tätigkeit und in unseren Einrichtungen fördern wir Selbstständigkeit und Selbstvertrauen, Offenheit für andere und Lebensfreude. Im Erziehungs- und Bildungswesen wollen wir einen Perspektivwechsel hin zu diesen Tugenden und Fähigkeiten voran bringen.
KOLPING ist Lernfeld, schafft Kontakte und fördert den Austausch zwischen den Generationen. Soziales Engagement der jungen Generation braucht Erlebnischarakter. Es muss verbunden sein mit Sinn und Spaß, mit Eigenverantwortlichkeit und Freiräumen. Wir ermutigen junge Menschen zur gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Tätigkeit. Wir bieten ihnen Räume und Personen, die sie bei ihrer Lebensgestaltung unterstützen.
KOLPING bietet jungen Menschen in der Tradition Adolph Kolpings die Möglichkeit, Glauben und Gemeinschaft zu erleben. Diese Erfahrungen befähigen zur aktiven Mitgestaltung von Gesellschaft und Kirche.
KOLPING bietet jungen Menschen mit seinen vielfältigen Maßnahmen und Wohnmöglichkeiten Zugänge zum Arbeits- und Berufsleben.



Arbeit neu begreifen


Wir gestalten Arbeitswelt mit
KOLPING versteht Arbeit als Möglichkeit zur persönliche Entfaltung, als Beitrag für die Gesellschaft und als Schöpfungsauftrag zur Gestaltung der Welt. Für uns sind Erwerbsarbeit, Familienarbeit und ehrenamtliche Arbeit grundsätzlich gleichwertig. Wir treten für die Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt ein.
KOLPING tritt daher für die gesellschaftliche Anerkennung und Aufwertung der Tätigkeiten in Familie und Ehrenamt ein. Die Voraussetzungen für die Wahlmöglichkeit zwischen und für die Vereinbarkeit von Familie, Ehrenamt und Beruf sind konsequent auszubauen.
KOLPING misst einer menschenwürdigen Gestaltung der Arbeitswelt eine besondere Bedeutung bei. Entwicklungen wie Globalisierung oder die Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationsgesellschaft müssen sich hieran messen lassen. Denen, die vom Fortschritt ausgegrenzt sind, gilt in der Tradition Adolph Kolpings unsere besondere Unterstützung.
KOLPING sieht durch den Wandel der Erwerbsarbeit die bisherige Finanzierung des Sozialstaates in Frage gestellt. Um die soziale Marktwirtschaft zu erhalten, beteiligen wir uns aktiv an der Weiterentwicklung der sozialen Sicherungssysteme.
KOLPING fordert zur Sicherung des sozialen Friedens und im Interesse der betroffenen Menschen den Abbau der hohen Erwerbslosigkeit. Eine geeignete Maßnahme ist die Umsetzung unseres Arbeitsverständnisses.
KOLPING ist seit seiner Gründung dem Handwerk verbunden. Die Vielfalt der Beschäftigung und die große Zahl der Ausbildungsplätze im Handwerk machen seine große wirtschaftliche und soziale Bedeutung aus.
KOLPING tritt für den Sonntag als Tag der Erholung, der Gemeinschaft, der Kultur und des religiösen Lebens ein.



Familien Vorfahrt geben


Wir sind Anwalt für Familie
KOLPING versteht Familie als eine auf Dauer angelegte Lebens-, Verantwortungs- und Wirtschaftsgemeinschaft von Frau und Mann mit ihren Kindern. Dieser Begriff von Familie schließt alleinerziehende Mütter und Väter mit ein. Nach unserem Verständnis ist die vor Gott und den Menschen geschlossene Ehe die beste Voraussetzung für das Gelingen von Familie.
KOLPING respektiert die persönliche Wahl der Lebensform, sieht aber die Familie als den Grundbaustein der Gesellschaft an. Deshalb setzen wir uns für den im Grundgesetz verankerten besonderen Schutz von Ehe und Familie ein.
KOLPING fordert den uneingeschränkten Schutz des Wertes und der Würde des menschlichen Lebens. Insbesondere im Interesse ungeborener, kranker, behinderter und alter Menschen schärfen wir das Bewusstsein für die Unverfügbarkeit des Lebens.
KOLPING ermutigt, christliche Ehe und Familie zu leben und gibt auf diesem Weg Unterstützung. Dies ist uns wichtig, weil Familien Lernorte des Glaubens, der Wertevermittlung, der Kultur und der Solidarität sind.
KOLPING tritt ein für eine gerechte Familienförderung. Es ist erforderlich, gesellschaftliche, soziale und finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen, die geeignet sind Familie zu stützen, damit Leben mit Kindern besser gelingen kann. Wir selbst verhalten uns familienfreundlich. In vielfältigen Angeboten der Kolpingsfamilien und Familien-Ferienstätten kommt das besonders zum Ausdruck.
KOLPING lädt auch Geschiedene und Wiederverheiratete ein. Sie sind bei uns willkommen und können mit uns Kirche erleben.



Weltweit Gemeinschaft sein


Wir bauen an der Einen Welt
KOLPING fordert auf zu partnerschaftlichem Miteinander als Voraussetzung für Verständnis und Toleranz gegenüber Fremden in unserem Land. Durch sie erleben wir oftmals eine Bereicherung für uns und unsere Gesellschaft.
KOLPING setzt sich für die Integration fremder Menschen in unsere Gesellschaft ein unter Wahrung der wechselseitigen Rechte und Pflichten. Wir wecken Verständnis für andere Lebensweisen und erwarten dies auch für unsere eigene Kultur.

KOLPING tritt für die weltweite Verwirklichung gerechter und demokratischer Strukturen sowie für die Sicherung der Menschenrechte ein. Dadurch kann dauerhafter Friede möglich werden.
KOLPING ist davon überzeugt, dass vor allem durch gerechte Welthandels- und Finanzstrukturen die Kluft zwischen armen und reichen Völkern überwunden werden kann. Daher fördern wir das Bewusstsein und den Einsatz für die internationale Zusammenarbeit.
KOLPING arbeitet mit Menschen in und aus anderen Ländern ideell, personell und materiell zusammen. Unser Ansatz ist dabei „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten. Wir geben und erhalten Hilfe und Anregungen für die jeweilige Arbeit.
KOLPING ist durch partnerschaftliche Kontakte und Projekte mit Menschen aus vielen Ländern verbunden. Im Internationalen Kolpingwerk ist hierdurch ein enges Netz von Beziehungen entstanden, wobei wir die Begegnung junger Menschen besonders fördern.
KOLPING sieht sich in der Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung. Deshalb setzen wir uns dafür ein, die Lebensgrundlagen in der Einen Welt nachhaltig zu sichern. Die Verantwortung des Einzelnen zeigt sich im täglichen Umgang mit den Gütern der Natur.

Priester, Sozialreformer, Publizist, Seelsorger und ”Gesellenvater” - alle diese Tätigkeiten kennzeichnen Adolph Kolping (1813-1865).

Adolph Kolping wurde in Kerpen bei Köln geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach einer kurzen Schulbildung begann er im Alter von 13 Jahren eine Lehre als Schuhmacher. Zehn Jahre arbeitete er in diesem Beruf und wanderte wie andere Gesellen von Ort zu Ort.

Im Alter von 23 Jahren wagte er einen ungewöhnlichen Schritt und entschied sich, Priester zu werden. Er besuchte das Marzellen-Gymnasium in Köln und mußte sich seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Anschließend studierte er in München und Bonn Theologie. Am 13. April 1845 wurde Adolph Kolping in der Kölner Minoritenkirche zum Priester geweiht. Als Kaplan erhielt er seine erste Stelle in Elberfeld.

Dort begegnete er dem Elend der Arbeiter im gesellschaftlichen Wandel der Industrialisierung. Die Handwerksburschen hatten durch den Zusammenbruch des Zunftwesens ihr Zuhause in der Familie des Meisters verloren. In der Stadt an der Wupper lernte Kolping den kurz zuvor vom dortigen Lehrer gegründeten Gesellenverein kennen und wurde dessen Präses. In einem solchen Zusammenschluß erkannte er ein geeignetes Mittel zur Bewältigung sozialer Probleme. Hilfe zur Selbsthilfe, sozialer Wandel durch Veränderung des Menschen, so wird sein Ansatz später charakterisiert.

Kolping kam bald nach Köln, wo er am 6. Mai 1849 den ersten Katholischen Gesellenverein gründete. Innerhalb kurzer Zeit verbreitete sich die Idee der Selbst- und Gemeinschaftshilfe bis an die Grenzen Europas und nach übersee.

Am 27. Oktober 1991 wurde Adolph Kolping in Rom von der Kirche selig gesprochen. Heute setzt sich sein Lebenswerk in mehr als 50 Ländern in allen Erdteilen fort.